The Consumer Choice Blog

Archive for März, 2010

Online-Handel trotzt der Rezession

Sie sind über die Weltwirtschaft besorgt? Das sollten Sie auch sein, sofern Sie sich an der weltweiten Berichterstattung orientieren. Umso schöner ist es da doch, dass man wenigstens über eine Branche berichten kann, die wächst – und umso erstaunlicher, dass die EU entschlossen scheint, dieser zu schaden.

Der Wachstumsbereich ist der Online-Handel. Jüngst veröffentlichte Daten des renommierten Marktforschungsinstituts Forrester weisen ein zweistelliges Wachstum für die Branche über die nächsten fünf Jahre für Amerika und das westliche Europa aus. Amerikanische Online-Händler werden im Durchschnitt um 10 Prozent pro Jahr für das nächste halbe Jahrzehnt wachsen, während die Europäer dies sogar mit 11 Prozent überbieten werden. Frankreich wird sich mit 13 Prozent besonders gut entwickeln, gefolgt von einem Wachstum in Großbritannien von 10 Prozent und Deutschland mit 9 Prozent.

Forrester ist der Überzeugung, dass nur dadurch das Meiste aus dem Wachstum gemacht werden kann, wenn die Online-Händler ihren Käufern die Wahl überlassen, wie diese Produkte erwerben möchten. Dies bezieht sich auf jede Art des Online-Kaufs einschließlich Handys, vielleicht sogar das neue Apple-Gerät und die auf dem Markt befindlichen PCs. Eine Vielfalt an Möglichkeiten für den Kauf ist der einzige Weg, wie Verbraucher an bestimmte Produkte herankommen, so die Analysten. Die Präsenz der Online-Händler steigert das Angebot – so einfach ist das.

Daraus wird sich eine Wachstumsexplosion ergeben: Die durchschnittlichen Ausgaben eines Online-Käufers betrugen €483 im Jahr 2009 und werden sich auf €601 im Jahr 2014 belaufen, wobei Bücher, Tickets und Kleidung das Feld anführen.

Ein solches Wachstum wird zweifellos eine tragende Rolle spielen, wenn es darum geht, die westliche Welt aus der Rezession zu führen. Deswegen ist es für die Kampagne für die Wahlfreiheit der Verbraucher unverständlich, dass sich in den kommenden Wochen neue Gesetze abzeichnen, die das Wachstum der Online-Unternehmen einschränken könnten, indem die Händler auch in stationäre Ladengeschäfte investieren müssten, um bestimme Waren anbieten zu können.

Wir hoffen inständig, dass die geplanten Gesetze angepasst werden, um es den Online- und Offline- Händler und denjenigen Anbietern, die beide Handelskanäle nutzen, zu ermöglichen, fair und ohne Einschränkung miteinander in Wettbewerb zu stehen. Denn dies kommt allein dem Verbraucher zu Gute.

Ihre freie Wahl ist in Gefahr!

Nun ist es offiziell – über die Hälfte der Bevölkerung konsultiert das Internet, um Preise zu vergleichen, bevor sie Waren einkauft, gleichgültig ob online oder in einem Ladengeschäft. Eine neueste Untersuchung des Verbandes BITKOM ergab, dass  55% der Befragten sich im Internet vor einem Kaufentschluss informieren.

Die Befragung (von Personen über 14 Jahren) ergab, dass die Befragten online nicht nur nach Preisen, sondern auch nach Bewertungen andere Nutzer suchen. Insbesondere ältere Menschen lassen sich von der Meinung anderer Nutzer beeinflussen.

Auch wenn andere Informationsquellen, wie etwa Meinungsforen, etwas weniger genutzt werden ist der Trend doch klar: das Internet ist eine Hauptquelle für Menschen, die etwas kaufen möchten.
Diese Freiheit und Transparenz sind momentan in Gefahr bei der Überarbeitung der Gruppen-Freistellungsverordnung. Darüber haben wir schon berichtet (LINK). Die neuesten Regelungen ermöglichen es Markenherstellern solche Händler nicht zu beliefern, die kein Ladengeschäft betreiben.

Dass dies wenig Sinn macht, liegt auf der Hand. Einem Käufer in London ist es egal, ob der Verkäufer ein Ladengeschäft in Oslo betreibt, und er wird sich auch sehr wundern, dass die Existenz eines solchen Geschäfts, das hunderte von Kilometern entfernt liegt, letztlich entscheidend dafür ist, ob er verschiedene Angebote im Internet erhalten und damit vergleichen kann.

Es handelt sich also hier um ein wichtiges und zugleich gefährliches Gesetzgebungsverfahren – und es sind nur noch wenige Tage in denen Sie Ihre Meinung kundtun können.

Streitfrage Ladengeschäft: eBay weiter aktiv

Anfang Februar haben wir dargestellt, wie ein europäischer Gesetzesvorschlag dazu führen könnte, dass Hersteller darauf bestehen können, nur solche Händler zu beliefern, die auch ein stationäres Ladengeschäft betreiben.

In dieser Angelegenheit hat sich eBay bereits seit über einem Jahr engagiert und auch Amazon hat sich hier vor kurzem öffentlich angeschlossen. Den letzten Gesetzesvorschlag in diesem Zusammenhang hat eBay genau geprüft: „Die Richtung des allgemeinen Texts ist im Hinblick auf den E-Commerce sehr positiv zu bewerten. Die Ladengeschäft-Klausel steht dazu allerdings im Widerspruch“, sagte Tod Cohen, Vice President bei eBay gegenüber Reuters in diesem Zusammenhang. „Herstellern, die Ihre Preise schützen wollen, wird so ein weiteres Instrument an die Hand gegeben, dies zu tun.“

Natürlich besteht von unserer Seite ein Interesse, gegen solche Instrumente vorzugehen – dieser Blog wird von eBay betrieben. Allerdings habe ich als unabhängiger Journalist viele kleine Unternehmen interviewt, die mit ihrem Handel bei eBay begonnen haben. Da war zum Beispiel der Typ, der tropische Fische verkauft. Oder der Betreiber eines Outlets für Designer-Kleidung für Männer. Das sind angesehene professionelle Händler, von denen einige auch stationäre Einzelhandelsgeschäfte betreiben – andere jedoch nicht. Diese hätten Ihr Geschäft nicht starten können, wenn der aktuelle Gesetzesvorschlag zu diesem Zeitpunkt in Kraft gewesen wäre. Die Weltwirtschaft steht vor genügend Problemen – wir brauchen keine zusätzlichen Behinderungen für Unternehmen, die neu gegründet werden.

Im Kern geht es dabei um die Wahlfreiheit der Verbraucher. Wenn ein Verbraucher lieber von einem Händler kaufen möchte, dessen Ladengeschäft er betreten kann – kein Problem, der Verbraucher sollte hier freie Wahl haben. Genauso sollte der Verbraucher aber auch das Recht haben, von einem Händler zu kaufen, der nicht über ein stationäres Ladengeschäft verfügt und er sollte nicht aufgrund neuer Regelungen daran gehindert werden.

Einkaufen über das Internet in Europa sollte einfach und unkompliziert sein.

Einkaufen über das Internet in Europa sollte einfach und unkompliziert sein. Man sucht nach dem Produkt, das man kaufen möchte, man schaut auf Preisvergleichsportalen, man schaut, ob der Artikel auf den von einem selbst favorisierten Internet-Seiten besonders preisgünstig erhältlich ist und kauft das Produkt schließlich.

Das funktioniert, sofern die jeweiligen Verkaufspreise von den Anbietern offengelegt werden.
Genau in diesem Zusammenhang sind einige aktuelle Entwicklungen in den USA interessant. Eine Reihe von Herstellern hindert Online-Händler daran, Verkaufspreise online an bestimmten Stellen anzugeben.
Hintergrund ist, dass gemäß eines Grundsatzurteils eines amerikanischen Gerichts Hersteller jetzt größere Freiräume haben, es Unternehmen zu verbieten, ihre Produkte unter einem bestimmten Verkaufspreis zu bewerben. So erfährt man den Preis erst bei der Zahlungsabwicklung. In Europa sind die Regeln in diesem Zusammenhang strenger. Das hat jedoch einige Hersteller nicht davon abgehalten, auch hier zu versuchen, diese Regelungen zu verwässern.

Dies alles zielt letztlich darauf ab, Verkaufspreise zu kontrollieren. Die Hersteller von hochwertigen Produkten wollen die Preise für ihre Waren auf einem hohen Niveau halten.
Die Lösung kann jedoch nicht sein, dass andere gezwungen werden, Preise zu verschleiern oder Mindestpreise zu diktieren. Wenn Produkte begehrt genug sind, so dass die Menschen sie kaufen möchten und sie mit dem Produkt zufrieden sind, dann steigen auch die Umsätze und jeder ist zufrieden. Dies schafft man jedoch nicht durch die Vorgabe der Verkaufspreise.

Eine der größten Stärken des Internets als Handelsmedium ist seine komplette Transparenz. Ich möchte ein Buch kaufen, ich prüfe die Angebote auf allen Seiten und wähle das beste Angebot, das meinen eigenen Präferenzen hinsichtlich Preis und Servicelevel, den die jeweilige Seite bietet, entspricht. Ja, dadurch mag Druck auf die Preise ausgeübt werden (außer es handelt sich um einen seltenen Sammlerartikel, bei dem der Preis durch viele Kaufinteressenten nach oben getrieben wird), aber genau so funktioniert ein Markt mit freiem Wettbewerb.

Ich kann nur hoffen, dass die Transparenz wiederhergestellt wird – und zwar überall.